backen, Basics, glutenfrei/zuckerfrei/lactosefrei, Nachtisch, Paleogerichte, süsses
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„Viele Jahre lang hatte von Combray außer dem, was der Schauplatz und das Drama meines Zubettgehens war, nichts für mich existiert, als meine Mutter an einem Wintertage, an dem ich durchfroren nach Hause kam, mir vorschlug, ich solle entgegen meiner Gewohnheit eine Tasse Tee zu mir nehmen. Ich lehnte erst ab, besann mich dann aber, ich weiß nicht warum, eines anderen. Sie ließ darauf eines jener dicken ovalen Sandtörtchen holen, die man ‚Madeleine‘ nennt und die aussehen, als habe man als Form dafür die gefächerte Schale einer St.-Jakobs-Muschel benutzt. Gleich darauf führte ich, bedrückt durch den trüben Tag und die Aussicht auf den traurigen folgenden, einen Löffel Tee mit dem aufgeweichten kleinen Stück Madeleine darin an die Lippen. In der Sekunde nun, als dieser mit dem Kuchengeschmack gemischte Schluck Tee meinen Gaumen berührte, zuckte ich zusammen und war wie gebannt durch etwas Ungewöhnliches, das sich in mir vollzog. Ein unerhörtes Glücksgefühl, das ganz für sich allein bestand und dessen Grund mir unbekannt blieb, hatte mich durchströmt. Mit einem Schlage waren mir die Wechselfälle des Lebens gleichgültig, seine Katastrophen zu harmlosen Mißgeschicken, seine Kürze zu einem bloßen Trug unsrer Sinne geworden; es vollzog sich damit in mir, was sonst die Liebe vermag, gleichzeitig aber fühlte ich mich von einer köstlichen Substanz erfüllt: oder diese Substanz war vielmehr nicht in mir, sondern ich war sie selbst.“

Aus: Proust, Marcel: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit; 10 Bde. Frankfurt am Main 1979, Bd. 1, S. 63–67.
So oft wie ich dieses Buch gelesen habe, habe ich mindestens auch Madeleines gebacken- und habe dabei (zwar nicht auf der Suche nach der verlorenen Zeit, dafür aber auf der Suche nach den köstlichsten Madeleines ) alle Varianten ausprobiert: Mit oder ohne Orangenwasser, mit geschlagenem Eiweiß und Ruhezeiten- doch so unergründlich mir die Geschichte immer noch erscheint, die neuste Rezeptur ist mir bis jetzt am herrlichsten gelungen.
Zutaten für 24 Stück*:


125g Butter oder Kokosfett + für die Backform
100g Mandeln, fein gemahlen
50g Kartoffelmehl
4 kleine Eier
4 Eßl Dattelsirup oder 8 frische Datteln
3 Teel Reinweinstein
Abrieb von 1 Bio Zitrone
Mark einer Vanilleschote
*wer keine Madeleine- Backform, dafür aber Jakobsmuscheln hat kann auch diese verwenden- für alle anderen: Papierförmchen sind zwar nicht so stilecht, funktionieren aber auch.



Zubereitung:


Den Backofen auf 175° vorheizen und das Madeleine- Eisen fetten.
Die Eier mit einer Gabel in einer Rührschüssel verquirlen und die Mandeln, das Kartoffelmehl, den Dattelsirup (oder die zerkleinerten frischen Datteln) den Reinweinstein sowie den Zitronenabrieb und das Vanillemark untermengen. Die Butter in einem kleinen Topf schmelzen und bei kleiner Hitze leicht bräunen, damit sie einen nussigen Geschmack annimmt. Wer auf Lactose verzichten möchte verfährt genauso mit Kokosfett statt Butter. Diese ebenfalls verflüssigen.
Das flüssige Fett unter den Teig rühren und diesen direkt gleichmäßig in die vorbereiteten Formen abfüllen.
Die Madeleines auf die mittlere Schiene des Backofens schieben und für 5min bei 175° backen. Die Temperatur auf 150° senken und weitere 5min backen bis sie goldbraun sind.
Aus dem Ofen nehmen und direkt auf ein Gitter zum Auskühlen stürzen.
Welchen Tee Proust dazu getrunken hat, weiß ich immernoch nicht aber ich habe mich für Earl Grey entschieden.
Voilà!

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